Vor nicht allzu langer Zeit habe ich The Legend of Dragoon beendet – ein Spiel für die Playstation 1, das ich seit Jahren schon immer mal spielen wollte, hauptsächlich deshalb, weil ich vor gut zehn Jahren eine Demo in die Finger bekam und doch so hin und weg war, dass ich sie mehr als einmal durchging. Über die Jahre hinweg blieb ich mir im Hinterkopf des Umstands bewusst, dass ich damals noch jung und leicht zu beeindrucken gewesen war – vielleicht hatte es mir auch bloß an Alternativen gemangelt – durchwachsene Reviews und ein hoher Preis sorgten zusätzlich dafür, dass sich der Kreis nun erst schloss.
Ich möchte an dieser Stelle eigentlich kein ausladendes Review anfertigen, sondern lediglich ein paar Gedanken festhalten, die jetzt noch ganz frisch durch meinen Kopf wuseln und vielleicht dem einen oder anderen Interessierten bei der Kaufentscheidung behilflich sein könnten.
Zunächst einmal ganz wichtig: The Legend of Dragoon ist kein schlechtes Spiel. Meines Erachtens mangelt es ihm sogar an einer angemessenen Popularität und Aufmerksamkeit, was höchstwahrscheinlich darauf zurückzuführen ist, dass es vom Aufbau her ein sehr klassisches RPG ohne nennenswerte eigenen Ideen darstellt und relativ zeitnah zu Squaresofts Rollenspiel-Hammer Final Fantasy IX veröffentlicht wurde. Es macht seine Sache gut, aber es ist eben auch nichts Besonderes; schon gar nicht auf einer Konsole, die sich vor erstklassigen RPGs kaum retten kann.
Die Story ist dabei eigentlich sogar richtig episch. Im Mittelpunkt steht der junge Dart, der sich auf der Suche nach einem Monster befindet, welches sein Heimatdorf ausgelöscht hat. Dabei tritt er mit seinen Gefährten in die Fußstapfen der Drachenritter, die vor mehr als 10.000 Jahren die Menschheit von dem Joch der Winglys, feenähnlichen Wesen mit mächtigen Zauberkräften, befreit haben. Jeder der Charaktere hat seine eigene tragische Hintergrundgeschichte und die vor allem im Anfang angedeutete Schwarz-Weiß-Malerei – ab und zu erinnerte mich meine Dragoon-Truppe schockierenderweise an einen Abklatsch der Power Ranger – wird ersetzt durch glaubhafte Komplikationen. Dem einen oder anderen werden einige Klischees sauer aufstoßen, aber was wäre ein J-RPG ohne diese schon? Auch typische Elemente können bei mir immer noch Sympathie erregen.
Zu diesen typischen Elementen zählt definitiv auch das Kampfsystem. Nach alter Schule ist es rundenbasiert und ausgestattet mit all den Befehlen, die man anderswo auch schon mal gesehen hat und inzwischen kennt wie gute alte Freunde. Für Kombos müsst ihr im richtigen Augenblick die richtige Taste drücken und wenn man genügend Punkte gesammelt hat, darf man sich in einen der mächtigen Drachenritter verwandeln, die zudem über verschiedene, auf ihr Element abgestimmte Zauber verfügen.
Da eure Angriffe mit häufigem Gebrauch stärker und mit der Zeit weitere eurem Repertoire hinzugefügt werden, hält sich die Monotonie hier einigermaßen in Grenzen, was gar nicht so leicht ist angesichts des riesigen Umfangs. Vier Discs wollen von euch bewältigt werden, alles in allem etwa 45-50 Stunden Spielzeit; je nachdem, wie sehr man daran interessiert ist, alle seine Charaktere gleichmäßig zu trainieren (was nicht zwangsweise notwendig ist, wie ich festgestellt habe).
Viel Platz auf den Discs wird für die aufwendigen Videosequenzen draufgegangen sein, ansonsten gestaltet sich der Verlauf recht linear. Sowas gefällt nicht jedem, mir aber durchaus, da ich an einer gut erzählten Geschichte mehr interessiert bin als an einer ausladenden Welt, in der man nicht weiß, wo man nun zuerst hingehen soll. Ach, hätte ich doch nur Final Fantasy XIII schon hier rumstehen! Sehr ärgerlich fand ich übrigens den häufigen Disc-Wechsel, der notwendig wird, wenn man an einer späten Stelle für Sidequests oder bestimmte Items alte Gegenden erneut aufsuchen muss. Die musikalische Untermalung bietet leider kaum Höhepunkte und so bleibt es nun bei dem, was ich eingangs postuliert habe: The Legend of Dragoon ist ein gutes Rollenspiel, das vor allem mit Optik, Story und klassischem Spielsystem punktet, aber bei weitem nicht so sehr zu verzaubern vermag wie andere Titel des Genres. Dass es in Rezensionen teilweise etwas unter Wert gehandelt wurde, lässt sich u.a. gut am IGN-Review durch David Smith erkennen, der zwar nur 7 von 10 Punkten vergab, allerdings darauf hinwies, dass er sehr unter Zeitdruck stand und überdies mit Zufallskämpfen nicht viel anfangen kann.
Mein abschließender Tipp für alle, die sich das Spiel kaufen möchten: Greift zur englischen Version! Diese ist lokalisationstechnisch zwar auch nicht perfekt, erspart euch aber die grauenhafte deutsche Synchro.



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