Seit Tagen überlege ich nun schon, wie ich meinen nächsten Artikel – diesen Artikel – anfangen soll. Und komm einfach nicht weiter. Schon länger möchte ich etwas über dieses, nennen wir es “brisante”, Spiel schreiben. Aber wenn man schon was schreibt, soll es ja auch gut sein, oder? Man möchte ja niemanden vorzeitig verschrecken.

Wie also anfangen, wenn man im Begriff ist, den möglichst perfekten Artikel zu schreiben? In meinem Fall meistens gar nicht. Deshalb müsst ihr euch jetzt auch mit diesem unperfekten Geschreibsel zufrieden geben.

Um also das – vielleicht – auffälligste Merkmal zuerst zu nennen: The Baron ist ein Text-Adventure (na, wer denkt jetzt an die alten Infocom-Games?). Da es mein erstes Spiel dieser Art war, kann ich nicht sagen, inwiefern es ‘typisch’ für das Genre ist oder nicht. Aber eigentlich geht es darum ja auch nicht.

Das Problem stellt sich vielmehr genau jetzt – denn zum Inhalt sollte man eigentlich so wenig wie möglich, am besten gar nichts, verraten. Warum? Nun… selbst das wäre wohl schon ein Spoiler. Nur so viel: man sollte nicht unbedingt moralprüde sein.

The Baron unterscheidet sich insofern von den meisten mir bekannten Spielen, als dass die Herangehensweise generell anders ist. Besonders schwierig ist es nicht, aber die Herausforderung scheint mir in diesem Fall auch nicht der richtige Antrieb zum Spielen zu sein. Es geht viel mehr darum, etwas über sich selbst herauszufinden. Oder dies zumindest zu versuchen. Denn das Spiel gibt zwar wenig Antworten, stellt dafür aber umso mehr Fragen. Und diese sind auch noch interessant.

Ich könnte mich fast dazu hinreißen lassen, zu behaupten, es seien Fragen, mit denen sich bestimmt jeder schon mal auf die ein oder andere Weise beschäftigt hat – aber das kann ich ja gar nicht wissen. Also schreibe ich einfach nur: Es sind Fragen, die ich mir schon des öfteren gestellt habe.

Aber selbst, wenn nicht – sich Fragen zu stellen, die man sich vorher nicht gestellt hat, dürfte mindestens genauso viel wert sein.

Die meiste Zeit verbringt ihr in diesem Stück Software also nicht damit, irgendwelche Rätsel zu lösen, sondern mit dem Führen unterschiedlichster Dia- und Monologe und dem Treffen ethischer Entscheidungen. Die eigene Handlungsweise wird dabei zwar reflektiert und spiegelt sich auch in späteren Abschnitten wider, einen Idealweg gibt es jedoch letztendlich nicht und die Entscheidung, wie alles ausgeht, bleibt vollkommen dem Spieler überlassen. Ohne Bewertung, ohne Urteil.

Wie gesagt, eindeutige Antworten bietet The Baron nicht. Allerdings ist es grade dieser Umstand, der es umso faszinierender macht. Denn Medien – egal, welcher Art – die einen vor ein ethisches Problem stellen, nur, um am Ende moralisch den erhobenen Zeigefinger zu schwingen, mag ich sowieso nicht besonders. Eine einheitliche Richtigkeit gibt es ohnehin nicht. Selbst nachdenken heißt die Antwort! Und ist zudem viel unterhaltsamer.

Lang ist das Spiel an sich zwar auch nicht (ich habe das Spiel jedes Mal in einem Rutsch gespielt), aufgrund der vielen verschiedenen Handlungsmöglichkeiten lohnen sich ein zweiter und dritter Durchlauf aber auf jeden Fall.

Was genau ist denn aber nun eigentlich so toll an The Baron? Nun, schwer zu sagen. Vielleicht ist es das: Wenn man es zulässt, verrät einem das Spiel ein klitzeklein wenig über einen selbst. Und man bekommt die Chance, gewisse Dinge mal aus einer anderen perspektive zu betrachten, solange man sich nur darauf einlässt.

Ich zumindest hätte auch nichts gegen mehr Spiele dieser Art.

Vom Genre des Text-Adventures an sich konnte mich The Baron jedenfalls vollkommen überzeugen. Wer braucht schon DirectX 10, wenn er Text haben kann?

Das Spiel ist übrigens umsonst und kann unter anderem hier runtergeladen werden. Zusätzlich wird neben der eigentlichen Spieldatei auch noch ein Z-Code Interpreter benötigt, den man sich ebenfalls kostenlos für Windows, Linux, Mac OS und andere Systeme herunterladen kann.

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