Wie beschreibt man ein Spiel, zu dem man ein solch gespaltenes Verhältnis hat wie ich zu Shadow of the Colossus? Eine schwierige Frage, die ich mir gerade stelle. Beginne ich doch lieber mit der grandiosen Atmosphäre, der stimmigen Musik und den beeindruckenden Kolossen oder meckere ich über die teils fummelige Steuerung und unvorteilhafte Kamera?

Fangen wir am besten ganz am Anfang an. In dem vielleicht etwas zu langen, aber atmosphärisch sehr dichten Intro mache ich Bekanntschaft mit meinem Helden, der das Verbotene Land betritt, um dort die Rettung seiner toten Freundin bei den Göttern zu erbitten, und seinem Pferd Agro. Sein Wunsch wird tatsächlich erhört – allerdings unter der Bedingung, dass er zuvor sechzehn über das Land verteilte Kolosse aufsucht und vernichtet.

Kurz darauf befinde ich mich bereits auf der Suche nach dem ersten Koloss. Mein Schwert weist mir dabei durch sein Leuchten den richtigen Weg, ich kann allerdings auch nach Gutdünken die verlassene Landschaft erkunden, um die atemberaubende Kulisse meines Abenteuers zu bestaunen.

Die einsame, aber doch gleichzeitig grandiose und verzaubernde Atmosphäre, die neben den wunderschönen Wasserfällen, nebligen Wäldern und tiefen Schluchten vor allem auch durch die Verlassenheit des riesigen Landes, in dem außer ein paar Eidechsen und Vögeln kaum etwas zu hausen scheint, besticht durch ihren ganz eigenen, besonderen Charme. So bizarr diese Welt durch das Fehlen (fast) jeglichen Lebens vielleicht wirken mag, so unglaublich schön und melancholisch ist sie doch.

Zu keiner Zeit vermisse ich zwischendurch Kämpfe mit kleineren Gegnern neben den Gefechten mit den Kolossen. Im Gegenteil: Die Abgeschiedenheit, die diese einzigartige Stimmung verbreitet, lässt mich erst richtig tief in diese besondere Welt eintauchen.

All die Ruhe und Sanftheit, die dieses Land und seine wenigen Bewohner verströmen, wird einzig und allein durch die berauschenden Kämpfe mit den Kolossen unterbrochen. Jeder von ihnen ist anders, einzigartig. Jeder von ihnen muss auf eine andere Art und Weise besiegt werden. Allen gemein ist, dass sie nur an ihren Schwachstellen – glühenden Zeichen an ihnen Körpern – verwundbar sind.

Bevor man diese jedoch mit Schwert oder Bogen ins Visier nehmen kann, gilt es, herauszufinden, wo sie sind und wie man überhaupt an sie herankommt. Schließlich machen die Kolosse ihrem Namen alle Ehre und sind zum Teil gigantisch groß. Viele müssen erklommen werden, um überhaupt in Sichtweite des Mals zu gelangen.

So schön und famos inszeniert diese Kämpfe mit den Kolossen auch sind, offenbaren sie dennoch einige der (größtenteils technischen) Mängel des Spiels. Sowohl die manchmal etwas ungenaue Steuerung als auch die Kamera, die sich des öfteren partout nicht derer Bildabschnitte, die ich gerne im Blickfeld hätte, annehmen will, haben meinen Spielspaß in einigen Momenten geschmälert und zu so manchem Frustmoment geführt.

Shadow of the Colossus war für mich wahrlich ein Wechselbad der Gefühle. Der Moment, in dem ich auf einer Düne stehe und gebannt einen am Himmel auftauchenden Koloss bestaune. Dieser erhabene, unglaublich schöne Koloss; die zarte, von Tragik erfüllte Geigenmelodie, die sein Erscheinen untermalt; die Aussicht, dieses wundersame, majestätische Geschöpf in den nächsten Minuten töten zu müssen. Das Gefühl, das einen in diesem Augenblick durchströmt, ist eigentlich unbeschreiblich.

Sobald ich jedoch mitten im Kampfgetümmel plötzlich nichts mehr sehen kann, weil alles voller Sand ist, mein Pferd sich meinen verzweifelten Versuchen, es in die gewünschte Richtung zu steuern, vehement widersetzt und ich trotz zig Anläufen nicht auf den Koloss komme, ist dieser Moment der Verzauberung fast vergessen. Mitleid mit dem Koloss? Vergiss es! Sterben soll er.

Besonders schade finde ich in diesem Zusammenhang, dass die Schwierigkeit der Wegfindung zu der Kolosse Schwachstellen dadurch enorm erhöht wird. Wie oft habe ich einen mir logisch erscheinenden Lösungsweg einige Male vergeblich probiert, um dann – nach dem Probieren aller möglichen Alternativen und letztendlich unzufriedenem Konsultieren der Lösung – festzustellen, dass meine erste Idee doch richtig war, ich es nur offensichtlich nicht oft genug probiert hatte.

Dies alles zusammengenommen macht es durchaus problematisch, eine einheitliche Meinung zu diesem Werk abzugeben. Kein Spiel hat bei mir zuvor auf diese Art Gefühlsregungen hervorgerufen – im positiven wie im negativen. Ich wollte es mögen, ich wollte es unbedingt weiterspielen. Wäre da nicht dieses gewisse Etwas – das Spiel wäre nach einigen frustrierenden Momenten in der Ecke gelandet. Aber das ist es nicht. Im Gegenteil. Ich wollte es sogar kurzzeitig aufgeben – aber ich konnte nicht. Da war etwas, das mich nicht losließ. Das mich das Spiel nicht ungespielt im Schrank verschwinden lassen konnte.

Dieser Zauber ist es, der mir heute als erstes ins Gedächtnis kommt, wenn ich an Shadow of the Colossus denke. Erst an zweiter Stelle gesellen sich die technischen Ungereimtheiten dazu. Verklärende Erinnerung? Vielleicht. Dennoch ist es bisher das einzige Spiel, welches ich mehr als einmal durchgespielt habe.

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