Prince of Persia
Geschrieben von Yuri in 360, Action, Adventure, Jump & Run, Konsole, SingleplayerDas neue Prince of Persia ist eines der Spiele, von dessen Berichterstattung ich bereits im Vorfeld schon einiges mitbekommen hatte – was nicht eben häufig vorkommt. Ich betrachte mich dabei als einen relativ hype-resistenten Menschen. So auch in diesem Fall: was ich sah, beeindruckte mich nicht wirklich. Zwar waren die Concept Arts durchaus hübsch anzusehen, deren grafische Umsetzung sagte mir jedoch nicht allzu sehr zu.
Erst eine Vorführung auf der Games Convention 2007 konnte überhaupt mein Interesse wecken. Die Animationen waren gut gemacht (leider noch eine Seltenheit) und außerdem sah das Rumgeklettere ziemlich spaßig aus – ja, das könnte mir doch einen Blick wert sein.
Und ich muss sagen, gelohnt hat es sich. Zwar ist die neuste Iteration der Serie nicht gleich zu meinem neuen Lieblingsspiel avanciert, eine Menge Spaß hatte ich aber auf jeden Fall. Insbesondere die Klettereien haben mir so viel Spaß gemacht, dass ich mir direkt im Anschluss zwei der Vorgänger bestellt hab (natürlich wohl wissend, dass diese irgendwie anders sind).
Insbesondere im Vergleich zu älteren Teilen, aber auch allgemein fällt hierbei jedoch der extrem niedrige Schwierigkeitsgrad des aktuellen Titels auf. Und damit meine ich nicht das Checkpoint-System Elika, sondern beispielsweise die Steuerung. Nicht, dass ich Probleme mit einer eingängigen Steuerung hätte – im Gegenteil. Jedoch ist diese so verzeihlich, dass man mitunter das Gefühl bekommt, es sei vollkommen egal, wann man irgendwelche Knöpfe drückt; solange man sie überhaupt benutzt, ist schon alles in Ordnung und das Spiel ‘rettet’ einen.
Ich erwarte hierbei ja keine Millisekundengenauigkeit (dann könnte ich diesen Beitrag nun sicherlich nicht schreiben), aber zumindest ein Zeitfenster, dessen Abpassen eine gewisse Herausforderung darstellt. Dafür müsste nicht mal die Steuerung verkompliziert werden, denn die eher wenigen benötigten Knöpfe (ein einziger für Sprung und Wallrun, ein zweiter für’s Festhalten und der dritte für Elika) stören mich gar nicht allzu sehr, auch wenn dies natürlich die Gefahr erhöht, dass das Spiel irgendwelche eingeleiteten Aktionen fehldeutet. Aber dieses Zeitfenster ist im Grunde schon eine Doppelschwingtür.
Die vielen Beschwerden bezüglich des Rücksetzsystems kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Ja, man kommt immer an den letzten sicheren Ausgangspunkt zurück. Na und? Spart einem doch lediglich Ladezeit, da man ohnehin an jeder Stelle speichern kann (und zumindest das ist etwas, was bei Nichtvorhandensein durchaus nicht selten bemängelt wird… wie oft habe ich in letzter Zeit Beschwerden über Speicherpunktsysteme gelesen?). Nun kann man natürlich anführen, dass man ja, weil es – auch aufgrund nichtexistenter Quicksave-Tasten – eben umständlicher ist, nicht nach jedem Sprung speichern würde. Mag zwar sein, dass dem so ist. Dennoch empfinde ich es keineswegs als störend, wenn mir ein wenig Arbeit in dieser Richtung abgenommen wird, denn vor/nach schwierigen Manövern dürfte sich ein Speichervorgang verstehen und alle leichten Zwischenschritte noch einmal wiederholen zu müssen, ist doch im Grunde bloß unnütze Spielzeitschindung.
Etwas hübscher hätte Elika meines Erachtens aber schon sein können (schaut euch mal die ursprünglichen Entwürfe an, denen kann die aktuelle Version nicht das Wasser reichen)… ich finde ihr ganzes Design doch ziemlich blass.
Bezüglich der Grafik bin ich selbst immer noch geteilter Meinung. Ich habe weder gegen Cel-Shading noch gegen Pseudo-Realismus irgendwelche Vorbehalte (okay, vielleicht gegen dieses ständige Grau/Braun… aber das ist ein anderes Thema), aber wenn ich das tatsächliche Spiel mit den noch (bzw. wieder) realistischen Screenshots eines früheren Entwicklungsstadiums vergleiche, so sagen mir die finalen Grafiken doch eher zu. Schaue ich mir hingegen die wirklich nett anzusehenden Concept Artworks an, so kann die Spielgrafik letztendlich nur verlieren. Von der ursprünglichen Elika ganz zu schweigen…
Ein rechter Augenschmaus sind dafür die sehr gut gelungenen, flüssigen Animationen – natürlich insbesondere die der Hauptcharaktere. Auch die Umgebungs- und Farbgestaltung sagt mir zu, obwohl hier insgesamt ein bisschen mehr Abwechslung auch nicht verkehrt gewesen wäre. Ohne die Übersichtskarte hätte ich mich wohl jedesmal restlos verlaufen… Moment, hab ich ja auch.
Etwas zu kämpfen hatte ich anfangs auch mit der Kampfsteuerung. Diese ist im Gegensatz zum restlichen Spiel eher behäbig, auch kann man nicht springen. Zwar tauchen glücklicherweise nur sehr selten Gegner auf, so dass dieser Aspekt nicht so sehr ins Gewicht fällt, jedoch muss jeder Bosskampf per Quick-Time-Events und Knöpfchenhämmern entschieden werden… was auf Dauer doch etwas nervt. Und Krämpfe in den Fingern verursacht.
Die Story ist wie üblich eher eine Ausrede, um mal ordentlich auf die Kacke den Putz hauen zu können – lediglich das Ende kann noch mit einem Tick Diversität aufwarten, das war’s dann aber auch schon. Auch die Charaktere sind in ihrer Darstellung leider nicht besonders überzeugend. Meines Erachtens hätte man hier noch eine Menge Potential gehabt. Insbesondere, wenn man sich Entwickleraussagen wie “er ist nicht der typische Held” etc. anhört, denn genau dann scheinen immer irgendwelche 08/15-Hauptcharaktere herauszukommen…
Für Konsolenspiele eher unüblich gibt es unerfreulicherweise auch ein paar Bugs in der Release-Version. Bei mir hat einmal die Übersichtskarte ausgesetzt (das Menü ließ sich überhaupt nicht mehr aufrufen), kurz darauf fiel auch die Speicherfunktion inklusive Autosave aus. Aufgehängt hat sich das Spiel ebenfalls einmal, wobei das natürlich auch an der DVD oder der Konsole gelegen haben kann. Will ja hier keine falschen Anschuldigungen erheben…
Alles in allem hat Prince of Persia für mich einige sehr vielversprechende Ansätze gezeigt, insbesondere hinsichtlich der Optik. Aber auch das Gameplay weiß zu gefallen, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden wäre es sicherlich noch besser geworden.
Dabei bedient sich das Spiel übrigens relativ offensichtlich auch bei anderen Titeln. Ich zumindest fühlte mich des öfteren nicht nur an Okami, sondern auch an ICO und Shadow of the Colossus erinnert. Was bei den genannten Spielen selbstverständlich kaum etwas Negatives darstellen kann, da alle in den zitierten Aspekten glänzen. Eher weniger passend wirken dagegen einige der Sprüche des Prinzen, welche im nächsten Devil may cry wohl doch besser aufgehoben gewesen wären.
Was sich Ubisoft dabei gedacht hat, nach dem eigentlichen Ende des Spiels noch einen Epilog als zusätzlichen Download-Inhalt nachzuschieben, kann ich allerdings nur erahnen. Denn runterladen werde ich ihn mir nicht. Über 10€ für eine zusätzliche Mission? Ich muss doch sehr bitten. Als ich mir das Spiel zulegte, wollte ich eigentlich das ganze Spiel haben. Auf dem PC wird diese nicht mal angeboten, so dass Computer-Zocker ziemlich in die Röhre schauen und nun mit einem halben Spiel dasitzen, dessen Ende nur den Konsolenspielern vorbehalten ist (da es sich wieder um eine Trilogie handeln soll und auch der Epilog die Geschichte weiterführt, dürfte dieser Umstand umso frustrierender sein).
Ehrlich gesagt… so nicht, Ubisoft!



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