Ich erinnere mich noch daran, wie mir in der fünften Klasse jemand von diesem Spiel erzählte (im Nachhinein etwas überraschend, da es nicht sehr bekannt zu sein scheint). Es klang interessant, also wurde es sich erstmal geholt. Damals kam ich jedoch nicht sehr weit, was für mich aus heutiger Sicht im Übrigen recht überraschend ist – das Spiel ist eigentlich nicht besonders schwierig.

Nachdem ich es also einige Jahre nicht angefasst hatte, überkam mich neulich spontan der Drang, es doch noch mal an die PlayStation zu verfüttern. Obwohl das Spiel mittlerweile ja nun wirklich nicht mehr besonders neu ist, war ich sofort wieder ‘drin’. Und diesmal kam ich sogar ganz ohne Probleme durch…

In Galerians schlüpft man in die Rolle des Jungen Rion Steiner, der – wie könnte es anders sein – ohne jegliche Erinnerung in einer Forschungseinrichtung aufwacht (war das Amnesie-Setting zur Erklärung jeglichen Unwissens auf Seiten des Spielers eigentlich damals schon so abgenudelt?) und zu allem Überfluss auch noch Stimmen hört. Immerhin ist es die Stimme eines jungen Mädchens und nicht gruseliger alter Greise… oder so. Aber nicht nur das, anscheinend wurde an Rion auch noch herum experimentiert und ihm diverse Drogen verabreicht.

Diese schädigen aber glücklicherweise nicht nur sein Gehirn, sondern verleihen ihm als netter Nebeneffekt auch noch unterschiedliche psychische Kräfte. Während Pillen und Kapseln sich hauptsächlich auf den Gesundheitszustand des Protagonisten auswirken, können durch Injektionen verschiedene Angriffskräfte genutzt werden, denn – ihr ahnt es sicher schon – man verfügt im Spiel über keinerlei Waffen.

Die Steuerung wird dabei ähnlich gehandhabt wie beispielsweise in Silent Hill – sprich: furchtbar man dreht sich mit dem Steuerkreuz und rennt dann, indem man eine Schultertaste drückt (in Japan scheint es in diesem Genre irgendwie Usus zu sein, dass die Steuerung einen Hauptgruselaspekt ausmacht). Bei anderen Spielen hält mich sowas in der Regel gleich völlig vom Konsum ab, in diesem Fall habe ich mich allerdings damit arrangiert. Zwar ist es auch nach einer Eingewöhnungsphase nicht eben praktisch, glücklicherweise sind die Kämpfe aber meistens nicht besonders schwer und das ganze ist generell eher etwas rätsellastiger.

Überhaupt lebt das Spiel mehr von der Story als von der Spielmechanik. Zwar ist Galerians auch nicht besonders lang, so dass eventuelle Gameplay-Mängel ohnehin weniger auffallen, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass die Kombination aus Umherlaufen und nach Gegenständen/Hinweisen suchen und Gegner plätten auf Dauer repetitiv wirkt. Andererseits haben mir auch über 100 Stunden Final Fantasy nichts ausgemacht – und Rollenspiele hatten noch nie ein besonders faszinierendes/spannendes Spielkonzept…

Neben dem irgendwie durchaus sympathischen Hauptcharakter besticht das Spiel meines Erachtens vor allem durch seine Atmosphäre. Diese ist zwar nicht so umwerfend und einzigartig wie die der Titel von Team ICO, aber trotzdem immer noch sehr einnehmend (wenngleich eben mehr in einem ‘gewöhnlichen’ Rahmen anstatt der Sphären, in denen sich genannte Entwickler bewegen). Obwohl Galerians wohl im Allgemeinen dem Genre des Survival Horror zugeordnet werden dürfte, handelt es sich nicht um einen “Gruselschocker” in dem Sinne. Der Horror wird hier eher durch die allgemein beunruhigende Stimmung hervorgerufen als durch adrenalintreibende Schreckmomente; auch wenn diese durchaus vorhanden sind.

Was ich bis jetzt allerdings immer noch nicht ganz verstanden habe, ist lediglich, wozu die Level-Angabe dienen soll… kann man etwa aufleveln? Und wenn ja, warum passiert das im ganzen Spiel kein einziges Mal bzw. was genau muss man dafür überhaupt tun und was passiert dann?

Trotz seiner drei CDs ist das Spiel übrigens ziemlich kurz – wenn ich mich recht entsinne, habe ich für den ersten Durchgang nicht mal zehn Stunden gebraucht. Dies liegt wohl hauptsächlich daran, dass – wie bei den meisten Spielen – nicht der Spielanteil, sondern die vielen Render-Videos den Löwenanteil der Daten ausmachen. Davon gibt es in Anbetracht der Gesamtlänge (bzw. -kürze) nämlich überraschend viele. Wer also ein notorischer Cutscene-Allergiker ist, wird in Puncto Plot vermutlich nicht auf seine Kosten kommen.

Praktischerweise werden die angesehenen Filme automatisch gespeichert, so dass man sie sich im Nachhinein beliebig oft ansehen kann. Da einige Szenen nur optional sind und im Verlauf des Spiels nicht zwangsläufig gezeigt werden, kann man hier auch sehen, ob einem irgendwas entgangen ist (was bei mir natürlich auch prompt der Fall war). Nur das ständige CD-Wechseln stört ein wenig, aber ohne DVDs lässt sich das wohl kaum vermeiden.

Die Grafik war wohl bereits zum Erscheinungsdatum nicht mehr ganz auf dem neusten Stand, insbesondere auch die der FMVs – das Spiel kam zwar erst 2000 raus, die Videos entsprechen qualitativ aber, wenn überhaupt, eher dem Niveau von Final Fantasy VII (1997).

Musikalisch wird das ganze meistens mit eher wenig melodischen Industrial-Klängen untermalt, teilweise gibt es aber auch richtige Instrumentalstücke. Auffallend war für mich hierbei, dass diese sich oft von Raum zu Raum unterscheiden.

(Apropos “Raum zu Raum”… erwähnte ich bereits, dass es bei jedem Raumwechsel einen Ladebildschirm gibt? Und es gibt viiiiiieeele Räume…)

Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Spiel komplett deutsch synchronisiert wurde – damals noch eine Seltenheit, insbesondere bei Nischentiteln wie diesem (bei letzteren ist es das heutzutage allerdings immer noch). Diese ist dabei meines Erachtens gar nicht mal komplett danebengegangen (hierzulande ja eher eine Seltenheit). Der Sprecher von Rion macht seinen Job zwar nicht immer perfekt, aber immerhin ist seine Stimme passend. Manche Charaktere sind leider etwas fehlbesetzt, trotzdem macht die deutsche Synchronisation auf mich insgesamt auch keinen schlechteren Eindruck als beispielsweise die englische (hier wurde dafür Lilia besser besetzt). Auch die Effekte (z.B. veränderter Klang bei Laut­sprec­her­durch­sagen etc.) lassen etwas zu wünschen übrig, da größtenteils nicht vorhanden. Schade ebenfalls, dass es anscheinend mal wieder nicht möglich war, den Namen des Hauptcharakters richtig auszusprechen.

Schwerer wiegt hingegen die – übrigens in allen europäischen Versionen ‘enthaltene’ – Zensur. Neben dem letzten Teil des Intros, der komplett entfernt wurde, fehlen auch die explodierenden Köpfe bei den Sterbeanimationen der Gegner nach einer Short-Attacke. Das finde ich sehr schade, insbesondere weil die Opening-Sequenz so einen völlig anderen Eindruck hinterlässt.

Dafür wurden wohl in der englischsprachigen Version (also auch in den nicht-zensierten NTSC-Versionen) die Texte etwas ‘freier’ übersetzt. Da ich diese jedoch nicht vollständig kenne, kann ich nur bedingt beurteilen, ob dadurch irgendwelche sinnentstellenden Passagen entstehen oder wie weit sie sich tatsächlich vom japanischen Original entfernt.

Insgesamt hat mir Galerians auf jeden Fall Spaß gemacht, ansonsten hätte ich es – trotz der Länge Kürze – vermutlich sowieso nicht durchgespielt. Es mag zwar kein absoluter Blockbuster sein und hat definitiv einige Ecken und Kanten, dennoch konnten mich seine Geschichte und Charaktere sowie die schaurig-schöne, abschreckende Atmosphäre bis zum Schluss fesseln.

Damit wäre dann wohl bewiesen, dass, zumindest für mich, Grafik (oder generell aktuelle Technik) nur einen sehr unerheblichen Teil am Spielspaß ausmacht – und zwar nicht nur bei Top-Titeln und Klassikern, sondern auch bei nicht ganz so runden Kleinoden wie Galerians.

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