Heute ist es mir schon wieder passiert: nach zahllosen mehr oder weniger krampfhaften Anläufen habe ich ein Spiel unbeendet ins Regal zurück gestellt. Ja, u-n-b-e-e-n-d-e-t. Eigentlich passiert es mir ja gar nicht so oft. Und dann wiederum ist jedes Mal ein Mal zu viel.

Die Folgen sind leichte Paranoia und unruhige Träume, ein Gefühl des Beobachtetwerdens und der ewig im Kopf herumgeisternden Hoffnung: bitte lass nie einen Menschen auf dieses Spiel zu sprechen kommen. Vergessen die rationale Beruhigungsformel, dass mit Sicherheit 99% aller Menschen The Adventures of Alundra nie gespielt haben und man mit der Erklärung, das Lösen der Rätsel sei aufgrund der Ungenauigkeiten in der Spielmechanik alles andere als ein Kinderspiel, mit Sicherheit auch zustimmendes Kopfnicken einheimsen kann. Wann immer ich an meinem Regal vorbeigehe, stehen die Zeugen der Schmach und Schande da, als wollten sie sagen: „Was, du gibst schon auf?“ Da fehlt eigentlich nur noch das fiese Grinsen.

Besonders schlimm ist es ja bei Titeln, um deren Qualität man weiß und die man durchaus gerne auch bis zum Schluss gespielt hätte, wenn da nicht die unterschiedlichsten Gründe dazwischen gekommen wären. Bei Dino Crisis war es die (am Ende fehlende) Munition, bei Vagrant Story der viel zu hohe Schwierigkeitsgrad. Bei Tenchu 2 und Silent Hill war es der durch Abwesenheit glänzende Spielspaß, vornehmlich bedingt durch hakelige Steuerung und unfaire Situationen. Dabei hatten auch diese beiden viel versprechend angefangen.

Was tut man also, wenn man trotzdem die sicherlich wunderbaren, jedoch noch verborgenen Inhalte zu Gesicht bekommen möchte? Man geht den Weg des geringeren Widerstandes. Der erste Schritt dorthin ist die Komplettlösung. Die ist zwar von manchen verpönt, in den meisten Fällen jedoch durchaus hilfreich – und manchmal sogar unerlässlich (siehe Final Fantasy). Auch wenn ich jetzt mal die Behauptung aufstellen möchte, dass selbst dann noch eine kleine Portion masochistische Veranlagung vonnöten ist, um schließlich auch Omega Weapon anzugehen. Ist diese Veranlagung nicht vorhanden, lässt sich ja auch immer noch ein anderes menschliches Wesen einspannen, das schwierige Passagen oder gar ganze Games für einen spielt. Alternativ gibt es ja auch genug Video-Walkthroughs. Da hat man dann zwar selbst keinen Anteil mehr dran, aber man hat zumindest seine Ruhe und fragt sich nicht, was man denn nun Großartiges verpasst hat.

Geht gar nichts mehr, bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als das Spiel zurück ins Regal zu stellen und sich damit der ultimativen Technik des geringeren Widerstandes zu bedienen: der Aufgabe. Damit erreicht man zwar nicht mehr das ursprünglich gesteckte Ziel, hat aber vorerst seine Ruhe. Bis die Regal-Dämonen anfangen sich zu regen. Aber letztendlich will ich ihnen auch nicht mehr nur feindlich gesinnt sein. Instanzen, die uns daran erinnern, dass wir höhere Ansprüche an uns selbst gehabt haben, können nicht nur sehr nervig sein, nein, manchmal sind sie durchaus sinnvoll. Man wird gezwungen zu vergleichen und sich zu entscheiden zwischen verschiedensten Dingen. Entscheidungen, die hoffentlich dazu führen, dass man sich das Beste rauspickt. Und das Beste muss nicht sofortiger Spielspaß sein. Kann aber auch. Jedenfalls… sollte ich jemals eine x-bliebige Instant-Brühe gegenüber einem sorgfältig zubereitetem Mittagessen vorziehen, würde ich mich auch über einen kleinen Reminder freuen. Und wie immer, wenn ich einen zweiten Versuch wage, habe ich davon zumindest doch einen Vorteil: die größere Gewissheit, sauer sein und sagen zu dürfen: ich hab’s versucht, verzieh dich, du gehörst verkauft, du bist doch parteiisch, da spiel ich lieber Tetris oder gucke die Glücksbärchis!

2 Antworten zu “Der Weg des geringeren Widerstandes („Regal-Dämonen“)”
  1. Jaja, das ist echt kranker Scheiß wenn man ein Spiel eigentlich gar nicht weiterzocken will, aber dann doch irgendwie dazu gezwungen ist :D Von einer dem Spiel innewohnenden Macht die einem befehligt “ZOCK MICH! ZOCK MICH VERDAMMTE SCHEISSE!”

    Glaub mir, ich kenn das nur allzu gut ;) Aber Gratz zum Durchspielen! Nie vor einem Spiel kapitulieren! ;D

  2. Du hast Silent Hill nicht durchgespielt? Schaem dich! …Moment, ich ja auch nicht.

    Und nix gegen die Gluecksbaerchis – Brummbaerchi for the win.

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